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Sonnenland abseits der
Touristenstraßen
Apulien, jahrhundertelang Europas Brücke zum Orient, ist mit seinen 800 km Küstenlinie ein ideales Ferienland. Für Sonnenhungrige ebenso wie für Kulturinteressierte, denn im Laufe der Geschichte haben viele Völker ihre Spuren hinterlassen. Noch überrascht das Land mit seiner unverfälschten Ursprünglichkeit. Ein maßvoller Ausbau des bisher nur spärlichen Tourismus könnten aber in dieser "vergessenen Region" zu besseren Lebensbedingungen führen.
Blauer Himmel,
sauberes Meer, eine gute Küche und wenig Tourismus - wer das
sucht, wird in Apulien auf seine Kosten kommen. Darüber hinaus bietet Italiens
tiefer Süden aber noch viel mehr.
Eine Überraschung ist die für diese Breitengrade üppige Vegetation. Wer mit
dem Flugzeug nach Bari kommt, erlebt das am Besten: Aus der Luft erblickt
man eine erstaunlich grüne Landschaft, die sich wie eine sanfte Dünung bis zur
Adria erstreckt. Über dem meergleichen Grün von Pinien, Oliven- und
Mandelbäumen stehen einzelne Trulligruppen und weiße Bauerndörfer wie
Schaumkronen und Gischtwolken.
Das ehemals "dürstende Apulien", dessen ausgetrockneter, karstiger
Boden wenig her gab, wurde durch den Bau einer Wasserleitung zu einem bedeutenden
Landwirt- schaftsgebiet, das während des Winters auch die Schweiz beispielsweise
mit Broccoli, Auberginen, Tomaten und Früchten beliefert.
Apulien ist ein an
kulturellen Schätzen und
architektonischen Sehenswürdigkeiten unglaublich reiches Land. Von den Griechen
über die Römer, Byzantiner, Normannen, Staufer, Franzosen, bis hin zu den
Spaniern gibt es kulturelle Zeugen. Seine große Zeit erlebte das Land
während der normannisch - staufischen Herrschaft vom 11. bis 13. Jahrhundert,
aus der die mächtigen Kastelle beispielsweise in Bari,
Trani und Brindisi stammen. Das beeindruckendste unter ihnen aber ist die "Krone
Apuliens", der gewaltige achteckige Bau mit den ebenfalls achteckigen
Türmen aus lokalem Kalkstein, das "Castel del Monte", das seit 1996
Weltkulturgut ist. Es zeigt bis
heute, welche Bedeutung der Stauferkaiser Friedrich II Apulien beimaß. Heute
wachsen zu Füßen des Schlosshügels Oliven- und Mandelbäume, zur Zeit des
universell
begabten Kaisers war das Land von dichten Wäldern bewachsen. Im
Herbst ist es besonders reizvoll, ohne gleißende Helle und scharfe Schatten.
Das milde Licht gibt den schneeweiß getünchten Mauern von Martina Franca und
dem griechisch anmutenden Ostuni einen weichen Schimmer. Im Herbst, wenn es noch
warm ist und kaum noch Fremde kommen, genießen die Einheimischen strickend und
schwatzend die Sonne. Sie freuen sich über ein Gespräch, fragen, woher man
komme und erzählen - wenig - aus ihrem Leben.
Auch in Alberobello, das als Gesamtmonument unter dem Patronat der UNESCO steht,
hat man dann Zeit für die Fremden. Ein junger Mann zeigt
bereitwillig einen
mehrhundertjährigen Trullo, in dem seine Vorfahren lebten. Noch sind die Spuren
des offenen Kaminfeuers sichtbar. Auch der Querbalken ist noch erhalten, über
den Bretter gelegt wurden, als Kinderschlafplatz unter der "Kuppel"
aus aufgeschichteten Steinen. Alberobello und seine Trulli sind weltberühmt.
Woher die runde Bauform mit den aus Kalksteinplatten mörtellos aufgeschichteten
kegelförmigen Dächern kommt, ist nicht mehr auszumachen. Auch über die
christlichen und mystischen Symbole auf den Dächern gibt es nur Mutmaßungen.
Den schönsten Ausblick auf die Kuppellandschaft des Trulli-Städtchens bietet
die Terrasse "Belvedere".
Gerne würden wir noch über Vieles mehr erzählen: Da
sind noch die wunderschönen romanischen Kirchen im Raum Bari, der Barock in
Lecce, die sagenumwobene
Südspitze "Capo di S. Maria di Leuca", griechische Vasen im Museum von
Tarent, und nicht zuletzt: die hevorragende einheimische Kost. Aber das
muss man schon selber vor Ort erleben!!
Letzte Bearbeitung: 03-01-05